Kurze Geschichte der Toilette in Europa

Antike Toiletten

Öffentliche Toilette der Antike in Ostia Antica, Quelle: Wikipedia
Öffentliche Toilette der Antike in Ostia Antica, Quelle: Wikipedia

In den antiken Städten der Griechen und Römer gab es bereits öffentliche Toiletten, die in große Abwasserkanäle mündeten, die sogenannten Kloaken. Die bekannteste war die Cloaca Maxima in Rom.

 

Auch in manchen Privathäusern hatten wohlhabende Römer schon Latrinen. Für den Großteil der Bevölkerung gab es aber diese öffentlichen Toiletten, und ihre Benutzung war eine gesellige Angelegenheit. Man saß nicht allein und unterhielt sich, oft auch übers Geschäft.

Die Erker im Mittelalter

Der Abort-Erker (oder auch Abtritt-Erker) war am Rande einer Burg angebracht und hatte eine Öffnung nach unten, den sogenannten Fallschacht. So fiel alles in den Burggraben oder ins freie Gelände.

 

Auch in Wohnhäusern gab es diese Erker, deren Öffnung über einem Fluss lag oder einem freien Gelände, aber manchmal auch über einer Gasse.

Das Wasserklosett

Bild: Wikipedia
Bild: Wikipedia

Das erste Wassklosett (WC) wurde von Sir John Harrington 1596 in England gebaut. In seinem Haus in Kent richtete er eine Toilette mit Wasserspülung ein, inklusive Spülkasten und Ventil.

Voller Stolz präsentierte er die Erfindung seiner Königin, Elisabeth I., die ein solches WC auch prompt in ihrem Schloss einbauen liess. Dennoch konnte es sich nicht durchsetzen, seine Landsleute hielten es für einen schlechten Scherz.

Bild: www.wdr.de
Bild: www.wdr.de

Als Erfinder des Wasserklosett gilt allerdings Alexander Cumming (Uhrmacher, Mathematiker und Mechaniker) aus London.
Er griff das „englische Klosett“ von Harrington wieder auf und baute es mit einem S-förmigen Abflussrohr (Siphon), um dem Geruch einzudämmen. Dieses Prinzip wird auch heute noch angewandt. Für diese Entwicklung erhielt Cumming 1775 in London das Patent Nr. 814 und gilt seitdem als Erfinder des modernen WC.

Die ersten Toiletten aus Keramik ...

Bild: www.twyfordbathrooms.com
Bild: www.twyfordbathrooms.com

 ... wurde 1870 von Thomas William Twyford of Hanley entwickelt, einem englischen Töpfer. Das Gerät bestand aus einem Teil, war freistehend und auswaschbar. Twyford gilt mit seinen vielen patentierten Erfindungen und Verbesserungen rund um das Wasserklosett als einer der Pioniere im Bereich der Hygiene- und Sanitärvorrichtungen.

Die mobile Toilette

Bild: Wikipedia
Bild: Wikipedia

In Amerika arbeiteten in den 1940er-Jahren so viele Menschen in den Werften an der Ostküste, dass die Sanitäranlagen überfordert waren. Es gab weite Wege, lange Wartezeiten und viel Unmut. Bis ein findiger Geschäftsmann dort mobile Toiletten vermietete. Die Werftarbeiter waren so dankbar, dass sie die Kabinen einfach "John" nannten und sich mit John zusammen fotografieren ließen.

 

In Deutschland wurde das mobile Klo dann auch von einem Amerikaner entwickelt. Fred Edwards war amerikanischer Soldat. Er war in den 70er-Jahren in Deutschlan stationiert und er haßte es, bei Militärmanövern seine Notdurft im Freien zu verrichten, oft in Gesellschaft seiner Kameraden.


Also entwickelte er das mobile Klo aus den 40ern weiter und nannte es "Dixi". Der Name sollte Männer an den Oldtimer von BMW erinnern und Frauen an das gleichnamige Waschmittel, das es damals gab. Außerdem sollte Dixi nach Musik klingen, um das Tabu des Toilettengangs in der Öffentlichkeit zu überspielen. Es funktionierte, diese mobilen Toiletten waren einfach zu praktisch. Sie wurden auf Baustellen ebenso verwendet wie auf öffentlichen Veranstaltungen.


Und als Papst Johannes Paul II. im Jahr 1980 Deuschland besuchte, ließen die Veranstalter flächendeckend Dixi-Klos aufstellen. Die Fotos gingen um die Welt, und die Marke Dixi machte weltweit Karriere. Heute gibt es die mobilen Klos in verschiedenen Größen und Austattungen, vom Standardhäuschen bis zum Premium-Container mit Waschraum, MP3-Player und Marmorwänden.

Die papierlose Toilette - das Dusch-WC

Ein Trend aus Asien ist die Toilette mit eingebauter Dusche. Besonders beliebt sind die sogenannten "washlets" in Japan, wo sie bereits 1980 eingeführt wurden.
Heute sind sie so weit entwickelt, dass man die Temperatur und den Druck des Wassers einstellen kann. Sogar die Klobrille kann auf Körpertemperatur erwärmt werden.

 

In Europa wurden Dusch-WC's zwar schon 1957 von Hans Maurer in der Schweiz hergestellt, aber sie konnten sich nicht durchsetzen. Maurer musste 2007 Konkurs anmelden.

Die natürliche Toilette - das Kompost-Klo

Toiletten ohne Wasserspülung gib es schon seit der Antike. Und überall dort, wo es keinen Wasseranschluss und keine Kanalisation gibt, werden sie teilweise bis heute noch verwendet. Stichwort Plumpsklo.

 

Das Problem war dabei immer der Gestank, den man aber vermeiden kann, wenn man Kot und Urin trennt. Das leisten sogenannte Trenntoiletten, so dass man den Urin separat sammeln und als Dünger verwenden kann (enthält viele Salze und Nährstoffe). Der Kot kann kompostiert werden und wird gleichfalls zu Dünger.

 

Der nächste logische Schritt ist die Kompost-Toilette, die Fäkalien in einem Behälter mit Stroh oder Rindenmulch auffängt und dort kompostiert. Oder das Kompostklo wird in die Natur integriert und der Kot wird im Boden auf natürliche Weise zu Humus verarbeitet.

 

Kompost-Toiletten gibt es heute in allen Formen, Farben und Bauarten. Sie sparen enorm viel Wasser und entlasten Kläranlagen und Deponien.