Scheisse als Inspiration - Literatur

H.M. Enzensberger: Die Scheisse (1964)

Immerzu höre ich von ihr reden
Als wäre sie an allem Schuld.
Seht nur, wie sanft und bescheiden
sie unter uns Platz nimmt!
Warum besudeln wir denn
ihren guten Namen
und leihen ihn
dem Präsidenten der USA,
den Bullen, dem Krieg
und dem Kapitalismus?

 

Wie vergänglich sie ist,
und das, was wir nach ihr nennen,
wie dauerhaft!
Sie, die Nachgiebige
führen wir auf der Zunge
und meinen die Ausbeuter.
Sie, die wir ausgedrückt haben,
soll nun auch noch ausdrücken
unsere Wut?

 

Hat sie uns nicht erleichtert?
Von weicher Beschaffenheit
und eigentümlich gewaltlos
ist sie von allen Werken des Menschen
vermutlich das friedlichste.
Was hat sie uns nur getan?


aus dem Volksmund

Und wieder ist ein Tag vollbracht

und wieder ist nur Mist gemacht.

Gut‘ Nacht, schlaft wohl Ihr Sorgen;

leckt mich am Arsch bis morgen.

Und morgen mit demselben Fleiße,

geht’s wieder in dieselbe Scheiße.

 

 

Zwei Knaben machten Jokus
und tranken Most im Keller.
Der eine musst‘ aufs Lokus,
der Most war aber schneller.


 

Auf diesem Klo, da haust ein Geist,

der jedem in den Hintern beißt.

Mich hat er jedoch nicht gebissen,

ich hab ihm auf den Kopf geschissen.


Heinrich Heine: drei und dreissig Gedichte (1824)

Bild: www.zum.de
Bild: www.zum.de

Selten habt ihr mich verstanden
Selten auch verstand ich Euch
Nur wenn wir im Kot uns fanden,
so verstanden wir uns gleich.


Dante Alighieri, die göttliche Komödie
Tiefer klafft der Grund: es konnt ihn nicht erschaun
Das Auge eh des  Bogens Joch erklommen
Wo sich zu höchst die Klippen auferbaun


Und dorther sah ich als wir hingekommen
Im Graben drunten Leut‘ im Kote stecken
Der schien aus der Kloake hergenommen


Sah drunten da ich umschaut‘ aller Ecken
Kotstarrend einen Kopf, dran, ob der nicht
Pfaff oder Laie, keiner konnt entdecken.


Sabrina Kaczmarek: Bio-Kost

Oh nanu! – mein Onanat
Es kam zu früh – vor dem Salat
Jetzt hab’ ich nichts mehr zum Dessert
Doch brauch’ dafür kein Dressing mehr
Ein wenig Salz – ein Schuss Zitrone
Dann schmeckt das Ganze gar nicht ohne!
Auch wenn das Dressing Fäden zieht
Find ich, Substanzen aus dem Glied
Sind günstig und auch schnell zur Hand
Was brauch’ ich dann noch Milch und Schmand?
Und weil ich mich gern selbst versorg’
Mir nicht gern was beim Nachbarn borg’
Scheiß ich mir jetzt – durch festes Pressen
Noch ein schönes Mittagessen!
Satt wird man heut – so leicht wie nie -
Mit Stuhlgang und durch Onanie!


Und die Moral von der Geschicht:
Supermärkte brauch ich nicht!


Goethe: Nicolai auf Werthers Grabe

Ein junger Mensch - ich weiß nicht, wie -

verstarb an der Hypochondrie,

und ward dann auch begraben.

Da kam ein schöner Geist herbei,

der hatte seinen Stuhlgang frei,

wie ihn so Leute haben.

Der setzt sich nieder auf das Grab

und legt sein reinlich Häuflein ab,

schaut mir Behagen seinen Dreck,

geht wohl eratmend wieder weg

und spricht zu sich bedächtiglich:

"Der gute Mensch, er dauert mich.

Wie hat er sich verdorben!

Hätt er ge------- so wie ich,

er wäre nicht gestorben.

Till Eulenspiegel, 78. Historie

Bild: www.buchladen-joerg.de
Bild: www.buchladen-joerg.de

Die 78. Historie sagt, wie Eulenspiegel zu Köln dem Wirt auf den Tisch schiss und ihm sagte, der Wirt möge kommen, dass er es fände.

 

Bald danach kam Eulenspiegel nach Köln in eine Herberge, und er drückte sich zwei oder drei Tage herum, um sich nicht zu erkennen zu geben. In diesen Tagen merkte er, daß der Wirt ein Schalk war. Da dachte er: Wo der Wirt ein Schalk ist, da haben es die Gäste nicht gut, du solltest dir eine andere Herberge suchen. Am Abend merkte es der Wirt Eulenspiegel an, daß er eine andere Herberge suchte. Er wies den anderen Gästen ihre Betten an, nicht aber Eulenspiegel. Da sprach dieser: "Wie, Herr Wirt, ich bezahle meine Kost ebenso teuer wie die, denen Ihr ein Bett anweist, und ich soll hier auf der Bank schlafen?" Der Wirt sagte: "Siehe, da hast du ein paar Bettlaken!" und ließ einen Furz. Und auf der Stelle ließ er noch einen und sprach: "Siehe, da hast du ein Kopfkissen!" Und zum dritten Male ließ er einen fahren, daß es stank, und sagte: "Siehe, da hast du ein ganzes Bett! Behilf dich bis morgen und lege sie mir auf einen Haufen, damit ich sie beieinander wiederfinde!" Eulenspiegel schwieg still und dachte: Sieh, das merkest du wohl: du mußt den Schalk mit einem Schalk bezahlen. Und er lag die Nacht auf der Bank.

Nun hatte der Wirt einen schönen Klapptisch. Die Flügel klappte Eulenspiegel auf, schiß auf den Tisch einen großen Haufen und klappte ihn wieder zu. Am Morgen stand er früh auf, ging vor des Wirtes Kammer und sprach: "Herr Wirt, ich danke Euch für die Nachtherberge." Und damit ließ er einen großen Furz und sagte: "Seht, das sind die Federn von dem Bett. Das Kopfkissen, die Bettlaken und die Decken mit dem Bett habe ich zusammen auf einen Haufen gelegt." Der Wirt sprach: "Herr Gast, das ist gut, ich will danach sehen, wenn ich aufstehe." Eulenspiegel sagte: "Das tut! Schaut Euch um, Ihr werdet das schon finden!" Und damit ging er aus dem Haus.

Der Wirt sollte zu Mittag viele Gäste haben und sagte, die Gäste sollten auf dem hübschen Klapptisch essen. Als er nun den Tisch aufmachte, zog ihm ein böser Gestank in die Nase, er fand den Dreck und sprach: "Er gibt den Lohn nach den Werken, einen Furz hat er mit einem Scheißen bezahlt."

Dann ließ der Wirt Eulenspiegel zurückholen, weil er ihn noch besser kennenlernen wollte. Eulenspiegel kam auch wieder, und er und der Wirt vertrugen sich in ihrer Schalkheit so, daß Eulenspiegel fortan ein gutes Bett bekam.